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Die 7 häufigsten Fehler bei Innovationsfonds-Anträgen

Dr. Lea-Sophie Borgmann · 14. Februar 2026 · 9 Min. Lesezeit

Nicht jeder Innovationsfonds-Antrag wird gefördert. Im Bereich der Neuen Versorgungsformen werden nur etwa 20–30 % der Skizzen zur Vollantragstellung eingeladen. Aus meiner Erfahrung mit über 25 Projekten kenne ich die Gründe – und sie sind fast immer vermeidbar.

Fehler 1

Das Versorgungsproblem bleibt vage

Viele Innovationsfonds-Anträge beschreiben das Versorgungsproblem zu allgemein. Aussagen wie „die Versorgung von chronisch kranken Patienten ist verbesserungswürdig" überzeugen keinen Gutachter des Expertenbeirats. Was fehlt, sind Daten: Wie groß ist das Problem im deutschen Gesundheitswesen? Wen betrifft es konkret? Was sind die Folgen der aktuellen Versorgungslücke?

Gutachter erwarten einen evidenzbasierten Problemaufriss – Zahlen zur Prävalenz, Verweise auf Studien, eine klare Darstellung, warum bestehende Ansätze nicht ausreichen.

Besser so

Beschreiben Sie das Versorgungsproblem datenbasiert und spezifisch. Je konkreter Sie die Versorgungslücke quantifizieren, desto überzeugender der Antrag.

Fehler 2

Die Innovation ist keine echte Innovation

Der Innovationsfonds fördert – wie der Name sagt – Innovationen. Dennoch beschreiben erstaunlich viele Anträge Ansätze, die in ähnlicher Form bereits existieren oder bereits als Innovationsfonds-Projekte gefördert wurden. Ein neuer Standort oder eine leicht veränderte Zielgruppe machen aus einem bekannten Ansatz keine Innovation.

Prüfen Sie vor der Antragstellung systematisch, welche Projekte der G-BA bereits gefördert hat. Die Datenbank auf der Website des Gemeinsamen Bundesausschusses ist öffentlich zugänglich.

Besser so

Recherchieren Sie die bereits geförderten Projekte und grenzen Sie Ihren Ansatz explizit davon ab. Innovationsgehalt ist kein Behauptung, sondern nachvollziehbare Argumentation.

Fehler 3

Das Studiendesign hat methodische Schwächen

Bei Projekten der Neuen Versorgungsformen erwartet der G-BA ein robustes Evaluationskonzept. Häufige Schwachstellen: unklare primäre Endpunkte, fehlende oder unrealistische Fallzahlplanungen, unzureichende Kontrollgruppen und mangelnde Berücksichtigung von Confoundern. Die Förderkriterien des Innovationsfonds verlangen methodische Sorgfalt.

Besser so

Holen Sie sich frühzeitig methodische Expertise ins Konsortium – entweder durch einen erfahrenen Evaluationspartner oder durch externe Beratung.

Fehler 4

Die Kalkulation passt nicht zum Projektplan

Die Kostenplanung ist einer der Bereiche, in denen Gutachter besonders genau hinschauen. Zu hohe Ansätze wirken unseriös, zu niedrige gefährden die Umsetzbarkeit. Besonders problematisch: Personalkosten, die nicht zum beschriebenen Arbeitsumfang passen, und Sachkosten ohne nachvollziehbare Begründung.

Besser so

Kalkulieren Sie bottom-up: Welche Arbeitspakete gibt es? Welche Ressourcen braucht jedes Paket? Jeder Kostenposten sollte sich direkt auf eine beschriebene Aktivität zurückführen lassen.

Fehler 5

Das Konsortium hat Lücken

Ein starkes Konsortium ist oft der entscheidende Erfolgsfaktor beim Innovationsfonds-Antrag. Gutachter prüfen nicht nur die Idee, sondern ob das Team sie umsetzen kann. Fehlende Kompetenzen – etwa in der Evaluation, im Datenschutz oder in der Versorgungspraxis – fallen sofort auf. Ebenso kritisch: unklare Rollenverteilungen zwischen den Partnern.

Besser so

Prüfen Sie systematisch: Sind alle Kompetenzen abgedeckt? Hat jeder Partner eine klar definierte Rolle? Gibt es eine Evaluationspartnerin mit dem nötigen Profil?

Fehler 6

Die Zeitplanung ist unrealistisch

Gerade bei multizentrischen Innovationsfonds-Projekten werden Rekrutierungszeiten und administrative Vorlaufzeiten regelmäßig unterschätzt. Ethikvoten dauern länger als geplant, Datenschutzkonzepte müssen abgestimmt werden, die Rekrutierung startet später als vorgesehen. Ein zu enger Zeitplan signalisiert dem Expertenbeirat mangelnde Erfahrung.

Besser so

Planen Sie für jeden kritischen Meilenstein mindestens drei Monate Puffer ein. Seien Sie bei Rekrutierungsraten konservativ.

Fehler 7

Der Transfer wird vergessen

Der Innovationsfonds hat ein klares Ziel: Erkenntnisse sollen in die Regelversorgung überführt werden. Anträge, die diesen Transfergedanken nicht mitdenken, verschenken Punkte. Die Frage „Was passiert nach Projektende?" muss bereits im Antrag überzeugend beantwortet werden – ob für Neue Versorgungsformen oder Versorgungsforschung.

Besser so

Beschreiben Sie bereits im Antrag eine realistische Transferstrategie. Wer sind die relevanten Entscheidungsträger im Gesundheitswesen? Welche Strukturen müssen geschaffen werden?

Fazit: Die meisten Fehler sind vermeidbar

Keiner dieser sieben Fehler ist unvermeidlich. Die meisten entstehen durch Zeitdruck, fehlende Erfahrung mit dem spezifischen Antragsformat des Innovationsfonds oder mangelnde Abstimmung im Konsortium. Wer frühzeitig anfängt, die richtigen Partner einbezieht und den Antrag als strategisches Dokument begreift, erhöht seine Chancen bei der nächsten Ausschreibung erheblich.

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Wenn Sie gerade einen Innovationsfonds-Antrag planen, lesen Sie auch den Leitfaden: Innovationsfonds-Antrag stellen und die Entscheidungshilfe Zweistufig oder einstufig?

Antrag vor der Einreichung prüfen lassen?

Ein kritischer Blick von außen kann den entscheidenden Unterschied machen. Ich unterstütze Konsortien von der Ideenentwicklung bis zum finalen Review.

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